Forschung › Profil

Profil der Professur für Internationale Beziehungen und deutsche Außenpolitik

Der Begriff "Internationale Beziehungen" bezeichnet einmal den Gegenstand, zum anderen aber auch die entsprechende Disziplin. In den angelsächsischen Ländern lässt sie sich auf 1919 (Pariser Frie­denskonferenz) datieren, in Deutschland gibt es sie erst seit Beginn der 60er Jahre. Hierzu­lande besteht mittlerweile weitgehend Konsens, dass die "Internationalen Beziehungen" zur Poli­tikwissen­schaft gehören und dort neben der Theorie und der Innenpolitik einen eigenen Teilbe­reich bilden. Im angelsächsischen Universitätssystem ist IB meist ein eigenes Studienfach. Unter den internationalen Beziehungen werden hier solche politischen Beziehungen verstanden, die von den Staaten im internationalen System aufrecht erhalten werden. Diese sind ein Resultat politi­scher Entscheidungen und damit Gegenstand der Politikwissenschaft. Annäherungsweise sind die internationalen Beziehungen das Produkt außenpolitischer Aktionen und Reaktionen, die über Zeit aufrecht erhalten werden und dann bestimmte Muster ausbilden, die als Beziehungen gelten können. Während der Begriff die wissenschaftliche Disziplin bezeichnet, lässt sich der Gegenstand selbst besser mit "internationaler Politik" bezeichnen. Eine eigene Kategorie bilden die Analysen von Außenpolitik. Internationale Politik setzt sich aus den Außenpolitiken der einzelnen Länder zusam­men, sie ist aber nicht mit deren Summe identisch. Außenpolitik und internationale Politik stellen, so hat es David Singer schon 1961 herausgearbeitet, zwei unterschiedliche Analyseebenen dar. Die Interaktion, die internationale Politik, ist zu unterscheiden von den diese Interaktion konstituierenden Außenpolitiken der einzelnen Länder. Der Begriff der internationalen Beziehun­gen ist demnach dann der Oberbegriff, der sowohl Analysen der internationalen Politik wie der Außenpolitik einzelner Staaten umfasst. Beide sind bezüglich ihrer Fragestellung und der einzuset­zenden Methoden unter­schiedlich. Internationale Politik und Außenpolitik werden in Halle im Rahmen des struktur-funktionalen Ansatzes, in der Version, die von David Easton entwickelt wurde, analysiert. Danach ist Politik die autoritativ durch das politische System erfolgende Wertzuweisung innerhalb einer Gesellschaft. Dieses Modell ist, um die internationale Dimension erweitert und präzisiert, für die Analyse gut geeignet. Die Wert­zuweisungen von Gesellschaften erfolgen in den Sachbereichen Sicherheit, wirtschaftliche Wohlfahrt und Herrschaft. Für die Disziplin "Internationale Beziehun­gen" sind damit die Wertzuweisungen Gegenstand, die von den politischen Systemen und gesell­schaftlichen Akteuren in der internationalen Umwelt vorgenommen werden. Lehr- und Forschungsschwerpunkte an der IB-Professur sind: Transatlantische Beziehungen, Die Europäische Union (EU), Deutsche Außen- und Außenwirtschaftspolitik, Weltwirtschaftsbeziehungen, Internationale Organisationen und Regime Internationale Konflikte und deren Lösung An der IB Professur wird seit Jahren schwerpunktmäßig zu Fragen Internationaler Governance geforscht und publiziert. In der Forschung ist die IB Professur mit der Forschungsstelle für Transnationales Wirtschaftsrecht (TELC), Prof. Dr. Christian Tietje, vernetzt. In der Lehre werden seit Jahren interdisziplinäre Seminare zusammen mit der Professur für Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Prof. Dr. Martin Klein, veranstaltet. Eine fachübergreifende Profilierung durch Masterstudiengänge zum Feld Internationaler Governance ist nahe liegend und wird angestrebt.