Lehre › Studieninformationen

Berufsfeld Internationale Beziehungen

Ein Informationspapier über Einstellungsanforderungen und Weiterbildungsmöglichkeiten für Politikwissenschaftler mit dem Studienschwerpunkt Internationale Beziehungen

aktualisierte Fassung eines Papiers der Wissenschaftlichen Betriebseinheit Internationale Beziehungen am FB Gesellschaftswissenschaften der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main
Herausgegeben vom Lehrstuhl Internationale Beziehungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

1. Wozu dieses Informationspapier?

Der Lehrstuhl Internationale Beziehungen möchte mit den hier vorgelegten Informationen eine Orientierungshilfe bieten

  • › für Studenten, die sich um eine Planung des eigenen Studiums bemühen, denen es aber noch an Informationsgrundlagen dafür fehlt
  • › vor allem aber für Studentinnen, die im Verlauf ihres Studiums bereits ein besonderes Interesse für die Fachrichtung Internationale Beziehungen entwickelt haben, die hier ihren Arbeitsschwerpunkt setzen, aber noch keine rechte Vorstellung von ihren beruflichen Chancen und den damit verbundenen Anforderungen entwickeln konnten.

Wir sind uns bei der Vorlage dieses Informationspapiers bewußt, daß alle Bemühungen um individuelle Qualifikation nicht die Probleme des Arbeitsmarktes lösen können, halten jedoch eine fundierte Ausbildung für eine gute Grundlage für Bewerbungen auf qualifizierte Arbeitsplätze.

Ein überlegt gestaltetes Studium in dessen Verlauf auch die Orientierung auf denkbare künftige Arbeitsfelder eine Rolle spielt, eröffnet sicher bessere Chancen als ein beliebig gestaltetes oder zielloses Studium.

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Was bietet dieses Papier?

  • 1. Informationen über Einstellungsvoraussetzungen und Qualifikationsanforderungen verschiedener Organisationen und Institutionen im Bereich Internationale Beziehungen
  • 2. Informationen über Praktika, Studien- und Arbeitsaufenthalte sowie über Aufbaustudiengänge und andere Möglichkeiten der Weiterqualifikation nach dem ersten Examen
  • 3. Adressen

Was wir hier nicht bieten können, auch nicht wollen, sind Vorschläge zum Aufbau individueller Studiengänge. Dazu eignet sich ein solches Informationspapier kaum. Die Mitarbeiter des Lehrstuhls sind allerdings gerne bereit, in ihren Sprechstunden Interessierte zu beraten.

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2. Einstellungsvoraussetzungen und Qualifikationsanforderungen von Organisationen und Institutionen im Bereich Internationale Beziehungen

Die Anforderungen, die an Politologinnen in potentiellen Berufsfeldern gerichtet werden, sind nicht leicht zu beschreiben, weil den Politologen zwar im Grunde ein weites Arbeitsfeld offensteht, aber kaum Stellen, auf die ihre Ausbildung unmittelbar zugeschnitten wäre.

Politologen geraten immer in Konkurrenz mit Absolventen anderer Studiengänge (Juristen, Volkswirtschaftler, Soziologinnen, Pädagogen ...). Dennoch - und das wird häufig übersehen - finden auch politologisch ausgebildete Universitätsabsolventen häufig eine Arbeitsstelle, die ihrer Studienqualifikation in etwa entspricht. Die entsprechenden Statistiken zeigen zwar auch, daß die Zahl der Arbeitsplatzwechsel in den ersten Berufsjahren bei Politologinnen recht hoch ist, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß es durchaus Einstellungschancen gibt und - bei entsprechender Weiterqualifikation im Beruf - auch Aufstiegschancen.

Für Absolventinnen mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen bieten sich vor allem folgende Arbeitsfelder an:

  • › Öffentliche Verwaltung
(auf der nationalen Ebene vor allem der Auswärtige Dienst und Ministerium mit 'Außenkontakt'; im internationale Bereich vor allem die Verwaltung der EG, unter Umständen auch Sonderorganisationen der UNO)

  • › in den verschiedenen Institutionen und Organisationen der Entwicklungshilfe
  • › bei Stiftungen der politischen Parteien
  • › in gesellschaftlichen Verbänden (Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Kirchen usw.)
  • › in den entsprechenden Sparten der Massenmedien
  • › in Universitäten und Forschungsinstituten

Schon dieser Aufzählung kann man entnehmen, daß die geforderten Qualifikationen sich deutlich unterscheiden können. Für die einzelnen Bereiche werden sie weiter unten genauer aufgeschlüsselt.

Zuvor sollen jedoch noch einmal diejenigen allgemeinen Anforderungen genannt werden, die in der Regel bei Einstellungsverfahren neben den besonderen stellenspezifischen Anforderungen eine Rolle spielen.

Neben einer breiten sozialwissenschaftlichen Grundbildung wird oft ausdrücklich auch die Kenntnis sozialwissenschaftlicher Methoden (Statistik, empirische Sozialforschung) verlangt.

Nebenfachkenntnisse in den Rechts-, Wirtschafts- oder Verwaltungswissenschaften können, je nach Arbeitsfeld, die Chancen von Bewerbern beträchtlich erhöhen. Wer Erfahrungen mit Forschungsprojekten nachweisen kann, kann sich häufig ebenfalls einen zusätzlichen "Bonus" ausrechnen.

Unumgänglich ist im Arbeitsfeld Internationale Beziehungen für alle Bewerber die Beherrschung von Fremdsprachen. Die Beherrschung der englischen Sprache gilt als selbstverständlich, Kombinationen aus Englisch und Französisch oder Englisch und Spanisch können die Chancen von Bewerberinnen deutlich erhöhen. Wer sich an außergewöhnliche Kombinationen heranwagt oder weitere Sprachen hinzulernt, vergrößert seine Chancen zusätzlich.

Ein häufig genanntes Kriterium bei Einstellungsverfahren ist Berufs- oder Praxiserfahrung. Damit können aber Studenten nach aller Erfahrung nur selten aufwarten. Deshalb ist der frühe und möglichst intensive Kontakt mit denkbaren Arbeitsfeldern, etwa durch Praktika, Studien- und Arbeitsaufenthalte, dringend anzuraten. Bisweilen genügen schon geringe Praxiserfahrung oder kleinere Veröffentlichungen (z.B. in der Hochschulzeitung), um sich von der Masse der Bewerber abzusetzen.

Solche Berührungen mit der Berufspraxis haben nicht nur den Vorteil, die Defizite an beruflicher Erfahrung zu vermindern. Sie erhöhen gleichzeitig auch noch auf andere Weise die individuellen Startchancen, denn die Aufnahme persönlicher Kontakte gehört zu den effektivsten Rekrutierungswegen im Arbeitsbereich Internationale Beziehungen.

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2.1 Auswärtiges Amt

Zulassungsvoraussetzung für die Einstellung in den Auswärtigen Dienst ist zunächst ein abgeschlossenes Hochschulstudium von mindestens 3 Jahren Dauer (mit 1. Staatsexamen oder vergleichbarem Abschluß). Es werden keine Studienfächer favorisiert. Ganz im Gegenteil wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß das sogenannte "Juristenmonopol" nicht mehr existiere. Besonders gute Aussichten bestehen für Kandidatinnen, die wichtige und schwierige Sprachen beherrschen (z.B. Japanologen, Arabisten und Sinologen). Eingestellt werden nur Bewerber, die jünger als 32 Jahre sind.

Die eigentliche Einstellungshürde ist ein Auswahlverfahren mit schriftlichen und mündlichen Prüfungsanteilen. Die Prüfungsmodalitäten schreiben für den schriftlichen Teil vor:

  • › Übersetzungen (Deutsch-Englisch, Deutsch-Französisch und jeweils umgekehrt; inzwischen kann statt Französisch auch Russisch gewählt werden)
  • › einen Aufsatz über ein aktuelles Thema (zur Auswahl stehen außenpolitische, innenpolitische und wirtschaftswissenschaftliche Fragestellungen)
  • › Beantwortung von Fragebögen

Der Prüfungsstoff der Fragebögen ist im Bereich "Neuere Geschichte und Politik" sehr stark historisch orientiert. Die "internationalen Beziehungen der Gegenwart" sind ohne besondere Schwerpunktsetzung und Differenzierung ganz allgemein als Prüfungsgegenstand angeführt.

Die mündliche Prüfung erstreckt sich über 5 Tage und umfaßt neben anderem (Gruppengespräch, Referat, Sprachprüfung, psychologischer Test) auch die Beantwortung von Fragen aus den Gebieten, die auch schon im schriftlichen Teil behandelt werden.

Vor allem das Niveau der Sprachprüfung ist recht hoch, so daß Schulkenntnisse in den beiden Sprachen kaum ausreichen können. Ein längerer Aufenthalt in England und/oder Frankreich bzw. Rußland ist daher zweifellos ratsam.

Eine Informationsbroschüre des Auswärtigen Amtes, in der sich Hinweise zur Prüfungsvorbereitung und Beispiele aus Fragebögen finden, kann bei der Aus- und Fortbildungsstelle des Auswärtigen Amtes (s. Adressenliste) kostenlos bezogen werden.

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2.2. Europäische Union

Die Einstellungsmodalitäten und Anforderungen sind bei Parlament, Rat und Kommission nicht ganz deckungsgleich. Gemeinsam ist allen drei Institutionen, daß sie durch ihre Ausschreibungen zunächst nur darauf abzielen, ihre sogenannten Reservelisten aufzufüllen. Erfolgreiche Bewerber werden lediglich in diese Wartelisten aufgenommen; die Einstellung in den Dienst der EG ist damit noch nicht verbürgt.

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2.2.1. Parlament der EU

Das Auswahlverfahren des Parlamentes sieht kein spezifisches Studium vor. Die Kandidaten müssen sich im Auswahlverfahren untereinander behaupten.

Die Ausschreibungstexte sind - was inhaltliche Anforderungen betrifft - sehr allgemein und vage gehalten, mithin wenig aufschlußreich. Erforderlich ist als allgemeine Voraussetzung eine mindestens zweijährige Berufserfahrung und ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie oder "vergleichbarer Nachbardisziplinen". Die Prüfungsvorschriften verlangen neben der Sprachprüfung (außer Deutsch zufriedenstellende Kenntnisse einer weiteren Amtssprache) ein schriftliches Exposé "über eines von mehreren zur Auswahl gestellten Themen allgemeiner Art, die sich auf die Europäischen Gemeinschaften beziehen" und ein mündliches Exposé (10 min.) "über ein Thema betreffend einen politischen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Aspekt des europäischen Integrationsprozesses (wahlweise aus mehreren Themen)". Hinzu kommen multiple-choice-Tests und mündliche Prüfungen.

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2.2.2 Rat der EU

Der Rat der EG weist besonders darauf hin, daß in erster Linie Juristen und Volkswirtschaftler eine Einstellungschance haben. Für Politologen sind die Möglichkeiten hier demnach gering.

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2.2.3 Kommission der EU

Anders als der Rat bietet die Kommission durchaus auch Stellen an, um die sich Politologinnen erfolgreich bewerben können.

Die Stellenausschreibungen der Kommission sind spezifischer als die der anderen EG-Institutionen. Die ausgeschriebenen Verwaltungsrats-Stellen orientieren sich an bestimmten Fachrichtungen (Wirtschaft, Agrarwissenschaften, Zölle, Recht). Politologen können im Sachgebiet "Auswärtige Beziehungen" nach erfolgreichem Abschluß des Auswahlverfahrens grundsätzlich mit Tätigkeiten folgender Art betraut werden:

  • › Vorbereitung der Gemeinschaftsvorschläge im Bereich der Wirtschaftsbeziehungen und des internationalen Handels
  • › Mitwirkung an den internationalen Verhandlungen im Bereich der tarifären und nicht tarifären Maßnahmen
  • › Verwaltung der Gemeinschaftsinstrumente der Außenhandelspolitik
  • › Aushandlung und Verwaltung der bilateralen Abkommen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung um eine Stelle als Verwaltungsrat sind neben guten Sprachkenntnissen (Englisch und Französisch) ein abgeschlossenes Hochschulstudium und eine mindestens zweijährige Berufserfahrung. Bewerberinnen müssen sich zunächst einer Vorauswahl unterziehen, bei der im multiple-choice-Verfahren der Kenntnisstand im berufsspezifischen Sachgebiet, hinsichtlich des europäischen Einigungsprozesses und einer ausgewählten Fremdsprache überprüft wird. Die Hauptprüfung besteht aus einer schriftlichen Klausur und einem ca. 45 min. langen Gespräch, die sich auf die fachliche Qualifikation des Bewerbers und die Arbeitsweise der Europäischen Gemeinschaften beziehen.

Daneben werden auch Stellen für Verwaltungsreferendare mit Universitätsabschluß ausgeschrieben. Die Bewerbung um solch ein Referendariat setzt weder eine spezifische Studienrichtung noch Berufserfahrung voraus.

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2.3 OECD

Die OECD ist offenbar kein Arbeitsfeld für Politologen. Die Angaben des Personalbüros der Organisation lassen Zweifel darüber kaum zu: "Die OECD rekrutiert in keinem Fall Studenten ohne berufliche Erfahrung direkt von der Universität. Wir erwarten Kandidaten mit akademischen Abschluß in einer speziellen Disziplin, z. B. Wirtschaftswissenschaften mit einer besonderen Spezialisierung, und zwei bis fünf Jahre praktischer Erfahrung in einem Ministerium, einer Internationalen Organisation oder ähnlichem."

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2.4. Politische Stiftungen

Bei den politischen Stiftungen bieten sich Arbeitsmöglichkeiten - entsprechend ihrem Tätigkeitsfeld - sowohl im Inlands- wie auch im Auslandsdienst.

Die ernsthafteste Hürde für Bewerber um offene Stellen im Inland besteht darin, daß solche Stellen immer erst den rückkehrenden Auslandsmitarbeitern angeboten werden. Für die Tätigkeit als Auslandsmitarbeiter gibt es nach Angaben der Konrad-Adenauer-Stiftung "keine fertigen Berufsbilder und Laufbahnen". Die Friedrich-Ebert-Stiftung weist darauf hin, daß "nicht so sehr die Art des Studiums als vielmehr Berufserfahrungen in einem der Projektbereiche" für die Einstellung entscheidend seien. Dennoch wird "eine entwicklungsbezogene Fragestellung in einem Studiengang" - so die Friedrich-Naumann-Stiftung - "für sehr wünschenswert gehalten". Für bestimmte Arbeitsfelder der Stiftungen dürften Praxiserfahrungen bzw. ein Zusatzstudium in Erwachsenenbildung die Einstellungschancen der Bewerber erhöhen.

Nicht zuletzt ist natürlich die Affinität der Bewerber zur parteipolitischen 'Linie' der einzelnen Stiftungen ein entscheidendes Auswahlkriterium.

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2.5. Institutionen und Organisationen der Entwicklungspolitik

Noch immer gilt zwar in diesem Arbeitsfeld die Leitfunktion der Ökonomie, aber - das zeigt die Überprüfung bereits besetzter Stellen - auch für Politologen und Soziologen gibt es einen Bedarf.

Hauptaufgabe von Sozialwissenschaftlerinnen im Bereich der Entwicklungspolitik ist (wenn nicht administrative Tätigkeiten die Oberhand gewinnen) die Anfertigung von Studien, die Planung und Evaluation von Entwicklungsprojekten.

Aus dieser Hauptaufgabe und der oben angeführten Bedarfsprognose für bestimmte expandierende Aufgabenfelder ergeben sich die Anforderungen an sozialwissenschaftlich ausgebildete Bewerber.

In aller Regel ist ein Studium, selbst eines mit notwendigen Schwerpunktsetzungen, noch keine ausreichende Einstellungsvoraussetzung. Das gilt auch für promovierte Bewerber. Dringend verlangt wird dagegen einschlägige Berufserfahrung, oder doch zumindest die Teilnahme an mehrmonatigen praxisorientierten Studienaufenthalten in Ländern der Dritten Welt.

Die ideale Mitarbeiterin sollte nach Ansicht befragter Personalchefs neben fundiertem Fachwissen über ein besonderes entwicklungspolitisches Verständnis und Einfühlungsvermögen verfügen. Sie sollte breites Wissen mit analytischen Problemlösungsfähigkeiten und flexibler Lernbereitschaft kombinieren, damit sie sich auch in fremde Sachgebiete schnell einarbeiten kann. Erwartet werden ferner Integrationsfähigkeit, Organisationstalent, Managementgeschick und gute Ausdrucksfähigkeit. Sehr gefragt sind auch wirtschaftliche Kenntnisse und ein ausgeprägtes Verständnis fremder Mentalitäten und Kulturen. Großen Wert legen Personalchefs in diesem Arbeitsbereich schließlich auf die Fähigkeit zu selbständigem und kooperativem wissenschaftlichen Arbeiten, verbunden mit der Bereitschaft zu raschem schriftlichen "output".

Viele dieser Qualifikationen lassen sich während des Studiums und in speziellen Aufbaustudiengängen erwerben. Auf die Berührung mit der Praxis der Entwicklungspolitik kann aber auch dann - das sei noch einmal betont - nicht verzichtet werden.

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2.6. Gesellschaftliche Verbände, Massenmedien, Universitäten und Forschungsinstitute

Wer sich um einen Arbeitsplatz im Rahmen der gesellschaftlichen Verbände, wie z. B. Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände oder Kirchen bemüht, sollte wissen, daß wissenschaftliche Qualifikationen allein eine Einstellung nicht verbürgen kann. Neben einem gezielt zugeschnittenen Studium (für den Gewerkschaftsbereich z. B. eine Kombination aus Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften) sollte man möglichst ein langjähriges praktisches Engagement im entsprechenden Tätigkeitsfeld nachweisen können.

Positionen in den Massenmedien werden ausschließlich an Bewerber vergeben, die ein Volontariat nachweisen können. Da es aufgrund des großen Interesses für dieses Arbeitsfeld auch für die angestrebten Volontariate häufig schon längere Wartezeiten gibt, sollten sich interessierte Studenten frühzeitig um entsprechende Stellen bemühen. Journalistische Erfahrung (z.B. als freier Mitarbeiter) ist dabei natürlich von großem Vorteil. Vielfach wird angenommen, ein Aufbaustudium, etwa in Kommunikationswissenschaften, könne das Volontariat ersetzen. Davon kann aber zumindest zur Zeit noch nicht ausgegangen werden. Es empfiehlt sich daher, solche Optionen einer genauen Überprüfung zu unterziehen.

Über die Qualifikationsanforderungen im Bereich universitärer und außeruniversitärer Forschung muß wohl nicht ausdrücklich informieren werden. Im allgemeinen dürften Studenten diesen Bereich am besten kennen und in der Lage sein, selbständig die notwendigen Informationen zu gewinnen.

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3 Wie können Politologie-Studenten wichtige zusätzliche Qualifikationen erwerben?

Da es Hochschulabsolventen in der Regel vor allem an beruflicher Praxis fehlt, sei zunächst auf einige Möglichkeiten hingewiesen, dieses Manko wenigstens durch Praktika teilweise auszugleichen. Praktika sind möglich:

bei der Kommission der EG (Voraussetzungen 8 Semester erfolgreiches Studium, Kenntnisse von zwei Gemeinschaftssprachen),

in Ländern der Dritten Welt in erster Linie durch das ASA-Programm der Carl-Duisberg-Gesellschaft (ASA = Arbeits- und Studienaufenthalte), aber auch bei der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) oder der deutschen AIESEC (Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales). Kurzzeiteinsätze in gemeinnützigen Projekten werden außerdem von einer Vielzahl von Organisationen durchgeführt.

Die Erfahrung lehrt, daß bei entsprechend drängender Einzelinitiative auch andere Institutionen und Organisationen bereit sind, zumindest einzelnen Studenten Praktika zu ermöglichen.

Lehrgänge zur gezielten Vorbereitung auf die berufliche Praxis in Institutionen der Entwicklungspolitik bietet für Hochschulabsolventen (bei Staatsexamensstudiengängen wird das zweite Examen vorausgesetzt) das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik in Berlin. Die Absolventen dieses Instituts haben beste Aussichten auf einen adäquaten Arbeitsplatz. Von interessierten Bewerbern werden allerdings auch überdurchschnittliche Vorkenntnisse verlangt.

An der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich existiert seit 1981 die Möglichkeit, ein "Nachdiplom für Entwicklungsländer" zu erwerben. Voraussetzung zur Zulassung sind hier konkrete berufliche Pläne in einem Entwicklungsland.

Zur Vertiefung der wissenschaftlichen Qualifikation bieten sich für Studenten verschiedene Möglichkeiten in besonderen Schwerpunkten, z.B. am Europa-Institut in Brügge, an der Europäischen Hochschule in Florenz, am Europa-Institut der Universität des Saarlandes in Saarbrücken oder beim Parlament der Europäischen Gemeinschaften ("Robert-Schumann"-Stipendien).

Studienschwerpunkte oder Aufbaustudiengänge zum Bereich Dritte Welt bieten verschiedene deutsche Hochschulen. Genauere Informationen finden sich im Studienführer Dritte Welt der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung.*)

Allgemein kann gelten, daß Studienaufenthalte an ausländischen Universitäten bei Bewerbungen durchaus günstig zu Buche schlagen. Der DAAD bietet hier ein breit gefächertes Angebot. Daneben bietet sich hin und wieder die Gelegenheit, die Beziehungen der eigenen Universität mit ihren Partner-Hochschulen entsprechend auszunutzen.

Wer sich auf ein Referendariat in der Verwaltung des Bundes oder der Länder gezielter vorbereiten möchte, sollte sich über das Angebot der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer informieren. Hier gibt es ein verwaltungswissenschaftliches Aufbaustudium zur "interdisziplinären Ausweitung des fachwissenschaftlichen Studiums".

Grundkenntnisse in Nebenfächern und die Beherrschung von Sprachen können wohl nur selten beiläufig erworben werden. Überlegungen zur Organisation des gesamten Studiums werden in diesem Zusammenhang unumgänglich. Die Überprüfung der gewählten Fächerkombination auch unter dem Gesichtspunkt späterer Verwertbarkeit kann durchaus sinnvoll sein.

Empfehlungen zur Studienfachwahl können und wollen wir hier aber nicht geben, denn Sinn macht schließlich nur die eingehende individuelle Beratung.

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4. Adressen

AIESEC-Lokalkomitee (vermittelt Praktika im Ausland)
Große Steinstr. 76
06108 Halle

Aus- und Fortbildungsstelle des Auswärtigen Amtes
Gundenauer Weg 134-136
53127 Bonn

Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)
Adenauerallee 131
53113 Bonn

Europäisches Parlament
- Personalabteilung -
Centre européen, Plateau du Kirchberg
Luxembourg

Europäisches Parlament (hier sind Bewerbungen für das Robert-
Generaldirektion Wissenschaft Schumann Stipendium möglich)
Büro 6/20 -Schuhmann-Gebäude
L-2929 Luxembourg

Rat der Europäischen Gemeinschaften
- Verwaltung -
170, rue de la Loi
B-1048 Brüssel

Kommission der Europäischen Gemeinschaften
- Generaldirektion Personal und Verwaltung -
200, rue de la Loi
B-1049 Brüssel

Kommission der Europäischen Gemeinschaften (hier sind Bewerbungen um Prak-
- Abteilung Ausbildung, Praktika - tika möglich)
200, rue de la Loi
B-1049 Brüssel

OECD
Personnel Division
2, rue André-Pascal
F-75775 Paris Cedex 16

Konrad-Adenauer-Stiftung
Postfach 12 60
Rathausallee 12
53757 Sankt Augustin

Friedrich-Ebert-Stiftung
Godesberger Allee 149
53175 Bonn

Friedrich-Naumann-Stiftung
Baunscheidtstraße 15
53113 Bonn

Hanns-Seidel-Stiftung
Lazarettstraße 19
80636 München

UNO
- Recruitment Department -
Palais des Nations
CH-1211 Geneve 19

Carl-Duisburg-Gesellschaft
- ASA-Programm -
Stresemannstraße 90-102
10968 Berlin

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
Dag-Hammarskjöld-Weg 1
65760 Eschborn

Deutsches Institut für Entwicklungspolitik
Fraunhofer Straße 33-36
10587 Berlin

NADEL (Nachdiplomstudium für Entwicklungsländer)
ETH Zentrum
CH-8092 Zürich

Rectorat du Collége d'Europe
Dyver 11
B-8000 Bruges

Institut universitaire européen
Service académique
Badia Fiesolana
5 via dei Roccettini
I-50016 San Domenico di Fiesole (Firenze)

Universität des Saarlandes
- Europa-Institut -
Im Stadtwald
66123 Saarbrücken

Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer
Freiherr-vom-Stein-Straße 2
67346 Speyer

Stiftung Wissenschaft und Politik
Forschungsinstitut für Internationale Politik und Sicherheit
82067 Ebenhausen

Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung
Leimenrode 29
60322 Frankfurt

Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik
Falkenstein 1
22587 Hamburg

Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien
Lindenbornstr. 22
50823 Köln

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